Solingen im Fokus jüdischen Lebens vor und nach der Reichspogromnacht
Wie lebten jüdische Bürger:innen in Solingen in den 1920er- und 1930er-Jahren? Wo waren sie zu Hause, wo arbeiteten sie, wie prägten sie das gesellschaftliche Leben der Stadt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich eine interaktive Ausstellung, die am 7. und 8. November 2026 in Stadtkirche und Gemeindezentrum Ohligs zu sehen ist.
Unter dem Titel „Zur Reichspogromnacht – Gegen das Vergessen“ rückt die Evangelische Kirchengemeinde Ohligs gemeinsam mit der Alexander-Coppel-Gesamtschule und der Bildungs- und Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum jüdisches Leben in Solingen vor und nach der Reichspogromnacht in den Mittelpunkt.
Die Ausstellung will Geschichte nicht nur vermitteln, sondern erfahrbar machen. Im Kirchenraum entsteht eine begehbare Stadtkarte Solingens. Besucher:innen können sich auf die Spuren jüdischer Mitbürger:innen in verschiedenen Stadtteilen begeben und ihren Geschichten begegnen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Lebenswege. Sie erzählen von Alltag und Zugehörigkeit, aber auch von Ausgrenzung, Verfolgung und dem gewaltsamen Bruch, den der Nationalsozialismus für die jüdische Bevölkerung bedeutete.
Einen besonderen Beitrag leisten Schüler:innen der Alexander-Coppel-Gesamtschule. Die dortige Arbeitsgemeinschaft beschäftigt sich seit Langem mit dem jüdischen Friedhof und wirkt auch an seiner Pflege mit. Für die Ausstellung setzen sich die Jugendlichen in einem Kunstprojekt mit diesem Erinnerungsort auseinander. Teile des Friedhofs werden künstlerisch aufgegriffen und in die Ausstellung integriert. Auf diese Weise verbindet das Projekt historische Spurensuche mit heutiger Erinnerungskultur.
Die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 markierte auch in Solingen eine einschneidende Eskalation der nationalsozialistischen Verfolgung. Synagogen wurden zerstört, jüdische Geschäfte und Wohnungen angegriffen, Menschen misshandelt, verhaftet und verschleppt. Die Ausstellung nimmt diese Ereignisse zum Ausgangspunkt, richtet den Blick aber bewusst auch auf die Jahre davor und danach. Sie zeigt, dass die Entrechtung und Verfolgung jüdischer Menschen nicht erst im November 1938 begann und dass die Gewalt Teil einer längerfristigen Entwicklung war.