Nach der Malerei, der Fotografie und Installation widmet sich die neue Ausstellung der Zeichnung. Alles ist Zeichnung, war die Maxime von Joseph Beuys. Dass alles, woraus unser Leben als Gefüge konstruktiver Leistungen besteht, auf Zeichnung beruht, ist die Voraussetzung der Zeichnungen Suse Wiegands, die Zeichnung als praktisches Denken begreift. Aus Lauten wurde Sprache, aus Sprachlauten wurden Zeichen, aus Zeichen wurde Schrift, dank der Hand, die zeichnete. Ein Zeichen ist eine fixierte Bewegung von Linien. Indem wir schreiben und sprechen, zeichnen wir.
Um diese nicht nur kulturgeschichtlich, sondern für die Menschwerdung unserer biologischen Vorfahren elementare Beziehung geht es Suse Wiegand in ihren minimalistischen Zeichnungen. Wie dehnbar sind unsere Schriftzeichen, in denen Zeit aufgehoben ist? Wieviel Zeit steckt im Zeich(n)en? Wann verliert die Schrift mit der Beweglichkeit der Zeichen ihre Lesbarkeit, auf deren Genauigkeit sie als Mittel unserer Verständigungen beruht?
Mit ihren Zeichnungen, die sie hier in den drei Gruppen sprachbilder, doppeldeckern und blattweise präsentiert, betreibt Suse Wiegand eine ästhetische Elementarkunde unserer unverändert elementaren Kulturtechnik. Die in der Schrift fixierte Sprache und das aus Zeichen gefügte Bild verweisen nicht nur aufeinander, sie ermöglichen sich gegenseitig. Damit steht sie mit ihrer ganz eigenen „Handschrift“ in der Tradition der minimal- und conceptional-art, die nur noch wenig fortgeführt wird.
Suse Wiegand studierte von 1980 – 1985 an der HDK Berlin, sowie 1986/87 an der Slade School University London. Von 2000 bis 2022 war sie Professorin für Raum, Plastik und Objekt am Studiengang Gestaltung der Hochschule Bielefeld (HSBI). Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im zeichnerischen Denken und in installativen Arbeiten mit Bildern und Dingen im Raum. Ihre Werke werden in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland gezeigt.