»Ich sehe Malina unverwandt an, aber er sieht nicht auf. Ich stehe auf und denke, wenn er nicht sofort etwas sagt, wenn er mich nicht aufhält, ist es Mord.«
Wien, Heute. In der Ungargasse leben Ivan, Malina und – »Ich«. Der Name der Protagonistin bleibt bis zuletzt ein Rätsel. Sicher ist nur, dass sie gefangen ist in einer Dreiecksbeziehung zwischen zwei sie kontrollierenden Männern, mit denen sie sich als Frau im Patriarchat vergeblich zu arrangieren versucht. Nicht sicher ist, was ihr Vater damit zu tun hat, ein weiterer Mann in ihrem Leben, der in letzter Zeit immer häufiger in ihren Träumen auftaucht und den eine dunkle Vergangenheit unauslöschlich an seine Tochter bindet.
Ingeborg Bachmanns 1971 erschienener Roman ist mehr als eine bloße Liebesgeschichte, wie es der Klappentext älterer Buchausgaben behauptet. Er stellt vielmehr noch heute aktuelle Fragen nach weiblicher Identität in einer männerdominierten Welt, nach dem Umgang mit Schuld angesichts der NS-Vergangenheit und ihrer Verbrechen und er ist vor allem, so Bachmann selbst, mindestens genauso sehr eine Kriminal- wie eine Liebesgeschichte.