Seit zehn Jahren betreibt der Fotograf Matthias Neumann mit seinen auf vielen Reisen im In- und Ausland entstandenen ›Urbanics‹ genannten Bildern eine optische Erforschung städtischen Lebens. Doch er ist weder als Reporter, noch als Dokumentarist unterwegs, er betreibt keine klassische streetphotography. Ihn interessiert nicht das Pittoreske, nicht die ungewöhnliche Perspektive. Ihn interessiert nicht, was er sieht, nicht, worauf er seine Kamera richtet, sondern was daran sichtbar wird. Er konzentriert seinen Blick auf eine Situation, reichert ihn solange an, bis in ihm eine eigene ästhetische Struktur dessen erscheint, was er betrachtet. Das so entstehende Bild bildet nicht ab, sondern zeigt die Entdeckung einer Ordnung im Sichtbaren.
So erschließen die Bilder den auf ihnen erscheinenden Menschen die Situation, in der sie sich im Moment des Kameraverschlusses befanden, die sie selbst nicht wahrnehmen konnten. Das Bild entsteht in dem Moment, in dem im Blick des Fotografen eine Komposition erscheint, die die Situation kommentiert, die es zeigt. So betreiben diese Bilder eine ästhetische Aufklärung, eine Erschließung der Wirklichkeiten, die denen verborgenen bleibt, die sich in ihr befinden.
Mathias Neumann, 1960 in Frankfurt a.M. geboren; Musikstudium; 1991-2026 Bratschist im Sinfonieorchester Wuppertal; seit 1991 parallel Studium Künstlerische Fotografie (Folkwangschule Essen, Master 2012 FH Bielefeld); seit 1991 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.