Im Oktober 1944, während die amerikanischen Truppen von Belgien aus nach Deutschland vorrückten, begleitete ein unbewaffneter Offizier die Front. Sein Name ist Saul K. Padover, ein Experte für das Deutsche und Psychologe, der sich selbst mit den Worten »ich komme mir vor wie ein Ethnologe« beschrieb. 1905 in Wien geboren, wanderte die Familie 1920 in die USA aus. 1938 war Padover persönlicher Referent des amerikanischen Innenministers – und 1944, mit 39 Jahren geht er als Nachrichtenoffizier der Abteilung für Psychologische Kriegsführung an die Front.
Inmitten des Chaos, das Deutschland 1944/45 prägte, versuchte Padover, die Gedanken und Gefühle der Menschen zu erfassen: sachlich und ohne Glättung. Die Auskünfte zeugen von Mut und von kollektiver Depression, von Selbstmitleid und unbelehrbarer Arroganz. Sein Bericht gilt als eine der wichtigsten Quellen, der Einblick gibt in die Gedanken- und Gefühlswelt der Deutschen in den letzten Kriegsmonaten bis zur Kapitulation.
2002 erschien der »Lügendetektor« erstmals unter der Verlagsleitung von Christian Döring in der Anderen Bibliothek auf Deutsch. Christian Döring hat zwanzig Jahre lang die deutschsprachige Literatur im Suhrkamp Verlag und DuMont Literatur und Kunst Verlag mitgeprägt und lektoriert weiterhin für viele Verlage namhafte deutschsprachige Autor/innen. An diesem Abend stellt er den Bericht vor, der Schauspieler Gregor Henze liest ausgewählte Textpassagen vor.
Eine Veranstaltung des Katholischen Bildungswerks Wuppertal/Solingen/Remscheid in Kooperation mit der Begegnungsstätte Alte Synagoge und der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit in Wuppertal e.V.